Der Kranich – Symbol für Glück und langes Leben
Markenzeichen für ein unverwechselbares Produkt

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43 Jahre lang schmückte der rote Kranich (Grus japonensis) die Flugzeuge von Japan Airlines. Dann wurde der Tsuru, wie er in Japan heißt, neun Jahre in den vorübergehenden Ruhestand geschickt. Jetzt prangt das Symboltier, das in Japan hohes Ansehen genießt, wieder auf dem Leitwerk von JAL.

Japan Airlines sei genau genommen die älteste Fluggesellschaft der Welt, will eine Untemehmenslegende wissen: Denn JAL stehe in der Tradition des edlen Tsurus, der seit Jahrtausenden auf langen Schwingen in Japans Lüften kreist. Das ist natürlich nur ein liebenswerter Firmen-Scherz – und dennoch belegt er, wie gerne sich JAL Mitarbeiter bis heute auf den eleganten Vogel berufen, der in Japan Tugenden und Tradition verkörpert.

Seit Jahrhunderten verehrt die Bevölkerung den Mandschuren-Kranich als heiliges Wesen. Der langbeinige Vogel mit den weit ausladenden Schwingen gilt als Glücksbringer. Als solcher hat der Tsuru breiten Eingang in die Kultur des Volkes gefunden. Er schmückt Bilder und Ornamente, zeigt sich in Familienwappen und taucht in zahlreichen japanischen Sprichwörtern und Redewendungen auf: So weiß ein alter Spruch, daß "der Tsuru 1.000 Jahre und die Schildkröte 10.000 Jahre" lebt und würdigt den Kranich als Symbol für ein langes Leben.

Immerhin werden die knapp 1,50 Meter großen Vögel bis zu 100 Jahre alt. Als Gutes verheißende Figur hat der Tsuru auch seinen festen Platz im traditionellen No-Theater. Als Verkörperung von Treue ziert das dekorative Motiv des Tsuru zudem so manchen Hochzeits-Kimono. Bekannt ist auch die von Besuchern verehrte Abbildung eines Tsurus aus dem 17. Jahrhundert, die den Eingang zur Haupthalle des Toshogu-Schreins in Nikko (Foto oben) schmückt.

Jahr für Jahr, wenn der Kranich der Unwirtlichkeit Sibiriens entflieht, um in Japan zu brüten und den Nachwuchs aufzuziehen, heißt ihn die Bevölkerung respektvoll willkommen und gewährt dem geschützten Vogel den benötigten Lebensraum. Ihre Kinder gemahnen die Erwachsenen bisweilen, sich "wie der Tsuru zu benehmen". Denn der Kranich mit den schwarz geränderten Schwingen bewegt sich elegant, lebt harmonisch und ohne Streit mit Seinesgleichen und versteht es zu teilen.

Als Japan Airlines sich in der Gründerzeit der 50er Jahre etablierte, benutzte das Unternehmen zunächst ein stilisiertes Flugzeug als Firmenlogo. Die Corporate Identity lernte gerade das Laufen, und recht bald wurde der Unternehmensführung klar, dass JAL für ein gutes Produkt auch ein stimmiges und unverwechselbares Firmensymbol benötigen würde.

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Im Jahr 1958 beauftragte der damalige PR-Chef Tonao Senda mehrere Fachleute, das passende Firmenlogo für JAL zu finden. Zunächst sah es gar nicht danach aus, als ob sich der Tsuru gegen die anderen Entwürfe durchsetzen würde: Denn die Spitze der japanischen Designerwelt hatte glänzende Präsentationen vorgelegt, die mit Abbildern von Modernität, Bewegung und Geschwindigkeit das heraufziehende Jet-Zeitalter symbolisierten. Sollte der mit Minimalaufwand für 800 Dollar erstellte Rohentwurf einer kleiner Agentur - zumal einer aus den USA - damit konkurrieren können?

Er konnte: Der damalige JAL Werbeleiter für die USA, Dan Nakatsu, hatte amerikanische Designer gezielt nach traditionellen japanischen Mustem und Motiven forschen lassen und war über die Auswertung alter Familienwappen auf den Tsuru gestoßen. Auch wenn Japans Designer-Elite lautstark protestierte: Mit Diplomatie und Geschick ebneten die vom Tsuru überzeugten JAL Manager dem künftigen "Wappentier" den Weg auf die Leitwerke ihrer Flugzeuge. Denn der Entwurf verkörperte klar und auf den ersten Blick Japan, das Fliegen und die traditionellen Tugenden des Kranichs.

Die Entscheidung erwies sich bekanntlich als richtig. Weltweit wurde der rote Tsuru zu einem Symbol für die Eleganz des Fliegens und für ein im internationalen Wettbewerb führendes und unverwechselbares Produkt. Als bei Kunden und Mitarbeitern beliebtes Firmen-Logo überstand der Kranich die Erneuerung des Corporate Designs im Jahr 1988, der Neugestaltung im Jahr 2002 allerdings fiel er dann zum Opfer.

Neun Jahre war der JAL Kranich zugunsten eines stilisierten Marken-Logos ( Abbildung oben links) in der Versenkung verschwunden. Jetzt ist er wieder da. Kraftvoll wie eh und je.

Mandschurenkraniche
Mandschuren-Kraniche in freier Wildbahn